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Worte, die wir verlieren – und was das über uns sagt

Worte können verschwinden, ohne dass wir es bemerken. Sie tun das nicht einmal, weil sie alt wären. Sondern weil wir sie nicht mehr benutzen. Der Alltag greift gerne zu schnellen Formulierungen, liebt die glatten Oberflächen. Floskeln, die sich ohne Probleme in jede flotte Flash-Kommunikation einfügen lassen. Auf die Schnelle wird das Wesentliche passend gemacht.

 

Und mit jedem ausgelassenen Wort wird etwas unscharf, das früher selbstverständlich war: die

eigene innere Genauigkeit.

 

„Alles gut.“ „Passt schon.“ „Stressig.“ Das sind Worte, die überall zu hören sind und die funktionieren wie Abdeckfarbe. Sie halten Gespräche zuverlässig sauber, aber sie halten uns auch auf Abstand zu uns selbst. Solche Unterhaltungen lassen vieles unausgesprochen, geben allenfalls eine grobe Richtung vor; wenn man es genau nimmt. Blöd nur ist Folgendes: Wer immer nur grob spricht, hört irgendwann nur noch grob hin.

 

Ich finde, wir sollten unsere Worte gebrauchen und uns um unseren Wortschatz bemühen. Denn Worte sind kein Schmuck. Sie sind ein Werkzeug. Ein präzises Wort richtet etwas aus.

Ein ungenaues lässt etwas verschwimmen.

 

Da gibt es Worte, die etwas öffnen: „berührt“, „erschöpft“, „klar“, „unsicher“, „wach“. Feine Nuancen dessen, was wir sonst mit ‚alles gut‘ abtun; und damit sind sie wahr. Und Wahrheit braucht ein Wort, das sie trägt.

 

Ich sehe oft, wie sich etwas verändert, wenn ein Mensch ein Wort findet, das stimmt. Das muss gar kein Bekenntnis sein. Kein Drama. Nein, bitte nicht. Es reicht ein Satz, der nicht ausweicht. Plötzlich bekommt etwas Kontur. Ein Gefühl tritt hervor, das vorher nur ein Schatten war. Sprache macht nicht lauter. Sie macht sichtbar.

 

Vielleicht verlieren wir Worte nicht, weil sie unmodern sind, sondern weil wir uns selbst nicht mehr zuhören. Weil wir schneller sprechen, als wir wahrnehmen. Weil Präzision Zeit braucht – und Zeit das Erste ist, was wir opfern.

 

„In Liebe fokussiert“ heißt auch: Worte zu wählen, die uns nicht verraten. Worte, die nicht kleiner machen, was in uns lebt. Worte, die nicht beschönigen, was gesehen werden will. Worte, die uns kraftvoll zurückholen, bevor wir uns verlieren. Weil sie meinen, was wir sagen würden – hätten wir Mut oder Zeit.   

 

Sprache, Honey, ist ein Kompass.

Wer präzise spricht, findet leichter heim. 

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