„Mehr als 60 % der Deutschen glauben an Schutzengel – obwohl viele von ihnen sich als nicht religiös bezeichnen.“ (Allensbach-Studie, 2023)
Moment mal – Engel? In Zeiten von KI, Quantenphysik und Selbstoptimierung? Klingt schwer nach Räucherstäbchen und Esoterikladen. Und doch: Die Vorstellung, dass da irgendetwas über uns wacht, uns lenkt oder wenigstens ab und zu den Kopf tätschelt, ist erstaunlich populär. Vielleicht, weil wir trotz aller Fortschritte immer noch Menschen sind – mit Herz, Bauchgefühl und gelegentlicher Orientierungslosigkeit. Ich bin begeistert.
Engel in der Psychologie: Die inneren Cheerleader
Die moderne Psychologie ist da erstaunlich offen. In der Traumatherapie etwa werden „innere Helferfiguren“ eingesetzt – mentale Begleiter, die Sicherheit geben. Nennt sie Engel, nennt sie Superhelden, nennt sie liebevoll Oma Johanna – die Hauptsache ist, sie helfen. Carl Gustav Jung sprach von Archetypen, die tief in uns wirken. Der Engel ist einer davon: ein Symbol für Schutz, Trost und das gute Gefühl, nicht ganz allein mit dem Wahnsinn da draußen zu sein.
Engel in der Literatur: Zwischen Poesie und Pathos
Rainer Maria Rilke. Nein, er war kein Instagram-Poet. Aber er wusste es gut, wie man die Engel in Worte kleidet. In seinen „Duineser Elegien“ beschreibt er sie als Wesen jenseits von Angst und Zeit – ziemlich gut getroffen eigentlich. Auch moderne Autor*innen nutzen Engel als literarisches Stilmittel: Eher selten sind sie nur kitschige Himmelsboten, sondern werden durch die wohlgewählten Worte ihrer schreibenden Mütter und Väter die Spiegel unserer Sehnsucht nach Tiefe, Sinn und einem kleinen Wunder zwischendurch. Das bisschen Zauber, das einfach sein muss, damit sich der ganze tagtägliche Aufwand auch lohnt.
Engel in der Philosophie: Wenn das Unsichtbare nervt – und fasziniert
Die Dichter:innen hatten wir schon. Geben wir den Denkenden unter uns Menschen nun auch die Chance, sich zum Thema zu äußern. Einige taten es bereits. Philosophen wie Emmanuel Levinas oder Michel Serres haben sich mit dem „Anderen“ beschäftigt – dem, was uns herausfordert, verwandelt, irritiert. Serres nennt Engel Vermittler zwischen Welten. Abstrakt gedacht, das ist wohl wahr. Aber im Ergebnis ist das ganz schön spannend: Vielleicht sind Engel ja einfach die Idee, dass wir nicht alles kontrollieren können. Und dass das okay ist.
Engel in deinem Leben – warum nicht?
Man muss nicht an Engel glauben, um sich von ihnen inspirieren zu lassen. Du schon gar nicht. Wir können uns in der Mitte treffen und eine smarte Lösung finden. Glaub mir, Engel sind wie gute Metaphern: Sie funktionieren, auch wenn man sie nicht ganz versteht. Daher, meine lieben Zweiflerinnen und Skeptiker, holt euch den unnützen Stress aus dem Hirn: Macht aus eurem Engel keine Glaubensfrage, sondern ein Gedankenexperiment. Eine Einladung, das Leben nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen zu betrachten.
Denn mal ehrlich: Ein bisschen Glitzer im Alltag hat noch niemandem geschadet.
Literatur und Quellen:
Für alle, die tiefer eintauchen möchten – hier ein paar inspirierende Spuren:
- Allensbach-Studie 2023: Über 60 % der Deutschen glauben an Schutzengel – auch ohne religiöse Bindung.
- Carl Gustav Jung: Archetypen und das kollektive Unbewusste – über innere Bilder, die unsere Seele formen und uns tragen.
- Rainer Maria Rilke: Duineser Elegien – poetische Engel zwischen Licht, Stille und Tiefe.
- Emmanuel Levinas: Totalität und Unendlichkeit – über das „Andere“, das uns ethisch herausfordert und uns verwandelt.
- Michel Serres: Die fünf Sinne – Engel als Vermittler zwischen Körper, Geist und Welt.
Diese Quellen sind keine Pflichtlektüre, die ich euch aufs Auge drücke – aber vielleicht ein Türöffner für alle, die das Unsichtbare gern ein bisschen genauer betrachten. Freut euch auf weitere Artikel darüber, wie wir alle unsere Engel erleben können.
Himmlische Grüße
Antje
